Erzberg Saga 
Ein Bericht von Albert Pucher!

Prolog 1. Tag:
"Du bist zu langsam, Albert"

30 Meter breite Strasse, fest gepresster Schotter. Verflixt, warum haben wir das Flachbahn- Glühen nicht konsequent trainiert? Ich hätte ja wissen müssen, dass der Prolog der Schlüssel zum besseren Startplatz, ja zur nackten Qualifikation ist. Also am puren Power liegt der Speed definitiv nicht, wissen wir hinterher. Denn in den ersten beiden Startreihen sind massig 125er und 200erter dabei.

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 Die Vollstrecker

Im Training war Junior zwar zeitweise schneller als ich gewesen. Aber der jugendliche Sturm und Drang hat ihm einige Dreher und einen Sturz beschert, das kostet Zeit und zwei tiefe Schürfwunden an der Hüfte! Martin ist enttäuscht, landet jenseits dem 600. Platz, tröstet sich: „Morgen fahr ich auf Sicherheit“.

Mich selbst hat die viertakt- Power der 520er immerhin 150 Plätze gegenüber dem Vorjahr vorkatapultiert. Doch das íst bestenfalls Startreihe 6 statt früher die 8. Um zu finishen ist mindestens Startreihe 2 vonnöten, man muss unter den top 100 sein, um die Chance zu bekommen, die Zielflagge zu sehen!

Peter Weindorfer, Ex Moto Crosser und mein Sonntag- Morgens Trainingsgenosse, bringt es auf den Punkt: "Du bist einfach zu langsam in den Kurven, lieber Albert", meint er trocken. Naja, so bewahrheitet sich wieder das Sprichwort: "Ratschläge sind auch auch Schläge". Aua!

....was uns das Blut in den Adern gefrieren lässt

Sohnemann Christian, der coole Vespa- Glüher, bewegt die 520er beherzt um den Kurs, lässt auf den Geraden auch voll die Sau heraus: "Macht Spass!!". Und hat auch in brenzligen Situationen die Lage im Griff: Wir beschliessen, dass ein Sturz nur dann ein Sturz ist, wenn der Lenker den Boden berührt. Und da war eben Criz dazwischen geblieben, also: Sturzfrei, Bravo!

Und Andrea, ständig die schmerzhaften Konsequenzen einer Bodenberührung vor Augen, dreht tapfer den Gasgriff Richtung Vollgas, kommt unerwartet schnell um die Ecke! Aber dann passiert etwas, was uns das Blut in den Adern gefrieren lässt: Voller Begeisterung sind wir an die Schikane gestürmt, als Andrea heranfliegt. Die ersten beiden Turns nimmt sie mit Bravour, und als sie an uns vorbeizieht, brüllen und johlen wir so laut es geht, um sie anzufeuern! .....Und was tut mein armer Schatz? Vom Lärm irritiert, in der Angst, dass Gefahr in Verzug ist, greift sie in die Eisen: Vorderrad weggerutscht,

Foto: www.haliklik.at

sie darunter. Bewegungslos.

Nacktes Entsetzen erschüttert meine Sinne. So fühlt man sich also, wenn man sich an einer Tragödie im Dornenvögel- Format schuldig fühlt: Nicht auszudenken wenn Sie auf diese Weise, durch unsere Schuld, das Rennen, ja das Motorsport- Hobby aufgeben müsste! Doch bevor wir sie erreichen, hat sie sich hochgerappelt, den Bock hochgewuchtet, und ist schon um die Biegung entschwunden. Hämmernder Viertakt- Sound zeigt und noch eine Weile an, dass sie es trotzdem nicht lassen kann.

Quietschvergnügt kommt sie nach einer durchgebangten halben Stunde im Fahrerlager wieder an: "Der Sturz? Kein Problem, schreits halt nächstes Mal ned so deppert! Aber beim Driften hats mir das Bein einmal so seitlich weggeschlagen, dass ich vor Schmerzen schon geglaubt hab, ich muss jetzt stehenbleiben". Gottlob hat sich das Knie wieder eingerenkt, das Bein eingespannt zwischen Tank und Fussraste gings weiter. Soo schlimm kanns nicht gewesen sein, wenn sie hinterher Zeit und Laune hat mit dem Guide anzubandeln.

Prolog 2. Tag: "selten soviel Staub gefressen!"

Wir haben uns vorbereitet. Wir haben analysiert. Haben Expertisen von Peter, Rudi, und Robert eingeholt. Und haben genau ausgearbeitet, wie wir ganz nach vorne kommen. Also: Nicht mehr wie eine Schwuchtel um die Ecke eiern, sondern SPÄT bremsen, EIGENE Linie fahren, in die Kurve hinein DRIFTEN und mit nicht zuviel Gas auch herausdriften. Alles perfekt....in der Theorie!

Irgend etwas Schlimmes haben wir im Vorleben jedoch sicher verbrochen, sonst hätte uns der Himmel nicht drei Desert Bomber vor uns im Starthaus plaziert! Eh-schon-wissen, diese Mehrzylinder Dickschiffe, wo „Sahara“ oder ähnliches auf dem dicken Tank steht. Bewundernswert, der Todesmut dieser Piloten. Und endlich weiss ich, was 20 Tage lang bei der DAKAR auf dem Programm steht: Selten so viel Staub gefressen, selten so blind über Steine gedonnert (Plattfuss vorne), selten so blöd in die Garage gefahren, weil plötzlich im Staub eine Kurve auftaucht.

Selten so blöd geschaut, als so ein Dickschiff plötzlich aus dem Nebel materialisiert, genau in der Ideallinie, wie aus dem Nichts hingebeamt! Muß über den groben Schotter vorbei-eiern! Aber immerhin muss was dran gewesen sein, an unserer neuen Speed -Taktik: Denn die halbwegs sichtbaren Turns werden im Drift gepackt, und so komme ich mit 11 .32 um 25 Plätze weiter nach vorne, 10 Sekunden schneller als am Vortag. Leider trotzdem in der Endwertung um 41 Hundertstel die 6te Startreihe verpasst. VER-GRFZKT!

Kleiner Trost fürs Männerherz: Enduro- Amazone Lisi Mucha, die mich erst beim MAC-Cup in Ölbö gnadenlos gerichtet hatte, steht auch in der 7ten Startreihe (zehn Sekunden langsamer). Zu ihrer Ehrenrettung: Sie geniesst meine ab-so-lu-te Bewunderung, denn sie hat mit ihrer 200erter keineswegs satte Leistung wie ich zur Verfügung.

...knallt ihm voll in die Seite gegen Stiefel und Hinterrad...

Sohn Christian hat ein „geistreiches“ Problem: Als er die Schikane gerade glücklich passiert, hat ein anderer ein Blackout und glüht voll geradeaus durch die Absperrbänder, knallt ihm voll in die Seite gegen Stiefel und Hinterrad, reisst ihn um, kommt auf ihm zu liegen. Der Kerl muss besoffen sein! Schaut nur reichlich blöd aus der Wäsche, zerrt wortlos seinen Bock von Christian runter, lässt sein Opfer einfach liegen und rast davon.

Chris rappelt sich hoch und trägts mit Fassung, er ist unverletzt und es geht bei ihm ja um nichts: „War aber vor Schreck wie gelähmt, bin nur noch hinaufgerollt“. Wäre das mir passiert, ich hätte der Kanaille eine handfeste Entziehungskur verpasst. Uns wundert's ja nicht, bei den Mengen von tagsüber konsumierten hochprozentigen Flüssigkeiten. Wir wünschen uns nichts weiter als 0,5%o-Stichproben am Start, um Zustände wie diese zu vermeiden!

Sohnemann Martin, der direkt hinter mir gestartet war, hatte leider wieder Pech: Sogar in zwei Kurven lagen die Bomber vor ihm im Weg, er musste einmal geradeaus in die Botanik ausweichen: Über die Wanne abgehoben. Lenker SEHR am Boden. Motor aus. Lange genudelt bis angesprungen. Minute verloren. Keine Chance für ihn, sich zu Qualifizieren: 635er Platz. Wozu fragt er sich! Wozu?

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Text: Albert Pucher
Fotos: www.haliklick.at

Prolog

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