Erzberg Saga 
Ein Bericht von Albert Pucher!

...die gnadenlosen Richter und Vollstrecker!

Wozu hat er überhaupt den Motorrad- Führerschein einen Tag vor dem grade noch hingebogen, Prüfung bestanden, Beamte angewinselt, gebettelt und genötigt, den rosa Deckel doch bitte gleich rauszurücken, sonst- sonst.....Der Ärmste! Das Vaterherz geht über vor Mitgefühl: Er leidet, er hadert, er resigniert, er akzeptiert schliesslich. Und wir schwören wir uns ein auf das beinhärteste Mega- Training fürs Nächste Jahr: Wir sind 2004 die Rächer der Sandbahn, die gnadenlosen Richter und Vollstrecker!

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 Die Vollstrecker

Kinofilm Nachspann: Die Stars sind schon am Wasserrohr zugange, als die siebte Reihe dran ist. Karl Katoch hat die Flagge schon in der Hand, da reisst ein Übernervöser schon seine Reib’m an. Karl fackelt nicht lange, Fehlstart! Die Flagge fällt zu Boden. Alle wissen, wenn jetzt einer die Nerven wegschmeisst, ist die ganze Reihe disqualifiziert! 2. Versuch, Karl wartet EXTRALANGE, quälende Sekunden, die Spannung wächst ins Uferlose. DA! Ein Zucken, ein Vibrieren in Karl’s Körper und die Flagge geht hoch! Eine Stampede von 1.000 Büffeln (die Viertakter) gefolgt von einem Rudel heulender Wölfe (die Zweitakter) zerreisst die Stille, zuverlässig baggert mich der Stone-Eater als Erster an die Wendemarke, wie im Jahr zuvor als Führender über die ersten drei Steilhänge.

Pech beim vierten Hang: Ein Nachzügler gast an, just wie ich um die Ecke komme. Zögere einen Moment, muss abbrechen, 20 an mir vorbei. Jetzt, im Lichte meines nahen Abgangs aber plötzlich völlig egal. Jetzt der Waschberg am Fahrerlager, voriges Jahr mein Waterloo: Sorgfältig bugsiere ich die Susi ganz nach hinten, bis ich mit den Zuschauern auf Tuchfühlung bin: Maximaler Anlauf ist Pflicht! Auf der Bahn haben sich zwar zwei Typen eingebaggert, aber das müsste im Slalom zu schaffen sein.

Foto: www.haliklik.at

Also Start mit Zweiter, will in der Kompression auf Dritte schalten....ha..ha. hat sich was, die mit Steinen und groben Schotter zerstörte Beschleuniggungsstrecke reicht nicht aus, um die Zweite halbwegs auf Touren zu bringen. Muss die Kompression nutzen, um voll zu drehen. Bin so zwar nicht so schnell, um locker die 30 Meter hinaufzufallen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Aber auch die Zweite reicht, allerdings um den Preis, dass ich ständig mit dem steigenden Vorderrad zu kämpfen habe: „Ja keinen Rückwärtssalto vor allen Leuten“, das wäre mega- peinlich!

Die kleinen Kiesel unter mir nehmen langsam Felsformat an, als sie gnadenlos näher rücken. Die Freude über den bezwungenen Waschberg verblasst langsam. Jetzt nur noch 3 Zentimeter, 2 - 1 - 0 ! Und als sich der Lenker in den Kies bohrt ist es klar: Das ist ein astreiner STURZ, auch nach unserer Definition. Na gut, jammern hilft jetzt nichts, einzige Lösung: Gummiball - Theorie in die Tat umsetzen.

...als sich der Lenker in den Kies bohrt mache ich mich weich und rund...

Knirsch! Während sich der Lenker sich um einige Zentimeter kalt verformt, mache ich mich weich und rund, und bin aus der Gefahrenzone gekugelt, als das Heck aufknallt. Der Motor läuft noch, stelle ich beim Aufrappeln verwundert fest. Und bin echt versucht, schnell die Fuhre hochzureissen und weiter zu hämmern. Doch dann übermannt mich das Pflichtgefühl: 100 mal in Trainings- Stürzen geübt, zelebriere ich schnell einen astreinen Telemark für das Publikum, man kennt das ja vom DAKAR Jingle. Die Verschlüsse klicken selig, die zahlreichen Kameras surren zufrieden, und die Menge tobt!

Selbst hab ich mich nach dem Abgang so wohl wie schon lange nicht gefühlt: Wieso? Weil vor 4 Wochen in ÖLBÖ ein Jungwald dran glauben musste, als ich ungewollt eine Schneise geschlagen habe. Seitdem ständig stechende Schmerzen beim Atmen, war wohl das Rippenfell irgendwo eingezwickt gewesen. Nach dem Sturz: Fühlte mich im Brustkorb echt befreit, Schmerzen wie weggeblasen. Da hat sich wohl wieder etwas eingerenkt, Rosskur sozusagen!

Andrea, die sportlichste Grossmutti von allen erzählte mir später, dass der Typ, der nach mir kam-flog-zerschellte länger liegen geblieben ist. Dabei ist der Boden dort wirklich nicht bequem (eigene Erfahrung), und schliesslich haben die Leute sein Bike ja sofort, naja relativ schnell halt, von ihm wieder herunter gewuchtet. War dann aber doch nicht so schlimm gewesen, einer soll gesehen haben, dass er aus eigener Kraft noch einen Finger bewegt hat. Alles in Butter am Erzberg.

Ich bin ja wirklich ein Fan der 520er. Ein Traum von Leistung und Durchzug-satt wurde wahr. Anlauf für den Steilhang ? Unnötig, lächerlich gegenüber der 200erter vom Vorjahr, wo ich am Waschberg gehörig gedemütigt worden war. Diesmal den Start selbst aus ungünstiger Position gewonnen, alle Steilhänge locker geschnupft. Sicher auch mitverantwortlich: Der neue MITAS "Stone-eater", hat mich gripmäßig nie im Stich gelassen (Luftdruck 0,4 Bar). Interessiere mich wirklich für die Meinung von Lisi, wie sie mit der vergleichsweise Pieps-Leistung ihrer EXC 200 ausgekommen ist, sie musste ja am Wasserrohr- Steilhang Hilfe in Anspruch nehmen.

Leider hat der 4-Takter mit seinen Minimum 10 Kilo Mehrgewicht auch ein höheres Selbstzerstörungs- Potential: Nach dem Sturz ist der Lenker ein Gurkerl, fahre fortan seltsam verrenkt durch die Gegend. Und -wie sich

Foto: www.haliklik.at

erst VIEL später herausstellt- Kühler eingedrückt, Zündkabel gegen Lüfterrad gedrückt, blockiert, Sicherung geflogen: Standkühlung im A.....usnahmezustand. Leider habe ich von dem Schaden keine Ahnung, bis ich urplötzlich brütende Hitze im Schritt fühle. Ja so muss sich eine Ausfahrt mit einem Eierkocher anfühlen!

Virulent wird die Sache beim Warten im Stau am Wasserrohr -Steilhang. Im Stehen bemerke ich nun die Quelle der obszönen Hitze: Voriges Jahr habe ich mich noch über die kochende Husky neben mir lustig gemacht, diesmal belustigt mein brodelnder Dampfstrahler die umstehenden Piloten (UR-UR-PEINLICH). Tja, kleine Sünden bestraft der Herr eben sofort. Und schmerzhaft. Denn was soll man tun, mitten im Stau? Bewegungsfreiheit Null, mahlende Räder, drängende Lenkerenden und stossende Ellbogen machen eines deutlich: Hier gibts nur einen Weg raus: NACH VORNE!

Und mein Motor macht nur leise "Klack-e-di-plop".

Wie aber stelle ích die Fontäne ab? Motor abstellen! Dann wieder starten, 2 Zentimeter Raumgewinn, aus, an, aus, a -a-an, bald klingt der Starter italienisch: si-si-si--no! Es ist zum Verrückt werden! Endlich Leistung satt, um den verdammten, berüchtigten Wasserrohr- Steilhang im Sturm bezwingen zu können, und dann kocht das Ding, und jetzt ist auch noch die Batterie im eimer! Ankicken? Eine 520er? Eine Prozedur, die im Blut-und-Eisen-Keil unmöglich ist. Bekomme nichtmal den Stiefel hoch, geschweige den Kicker runter. Jetzt nur noch drei Fahrer vor mir, der Anlasser dreht aber nicht mehr. Geduld, Albert, der Akku wird sich schon noch erholen! Jetzt bin ich dran, links und rechts, und hinten drängen und drücken 150 wie im Blutrausch. Und mein Motor macht nur leise "Pfffiet". Drücke den Anlasser: "Klack-e-di-plop".

Foto: www.haliklik.at

Erste Unmuts- Äußerungen von hinten: "Heast, draust di ned?", und der Guide wachelt ungeduldig mit der Fahne, zum dritten Mal Startfreigabe... Jetzt letzte Chance, ziehe in meiner Not den Dekompressor, der Anlasser kommt über den Totpunkt, dreht, und "wu-wu – PÄNG!......ROARR", setzt sich die Granate unter meinem Tank brüllend in Bewegung: Start mit Zweiter, Dritte, kämpfe mit den radtiefen Wannen und dem Steingewühl, komme so zwar nicht wirklich richtig auf Tempo und auf Touren.

Aber Dampf gibts diesmal (leider buchstäblich) auch aus dem Keller, und als ich ab der Mitte auf die Zweite zurückschalte, zieht es mir richtig nochmal die Arme lang! Eine Wucht, wie locker und Easy der Big Bäng noch im Hang anreisst und uns über die Kante katapultiert! Bussi, liebe Susi! Im Funktelefon höre ich Sohnemann Martin jubeln. Er hat die Dampf- Problematik im Stau voll mitbekommen, den Berg erklommen und mit Bangen und surrender Kamera an der Oberkante des Steilhangs auf mich gewartet. Er ist selig, braucht nicht helfen, ich juble auch, denn ich weiss noch nicht, was mich noch erwartet.

Voriges Jahr hab ich die folgenden Waldpassagen als "Klacks, reine Zeitvernichtung" beschrieben, wundere mich ein bisschen über das "Vorsicht da vorne" wie mir der Streckenposten nachruft. Sekunden später ist mir klar, was er meinte: Typisch Karl Katoch: Der Veranstalter hat das bestimmt gelesen und gedacht: "Na warte, Bürschchen, bald wird Dir der schnoddrige Kommentar schon noch vergehen". Und so hat er die Tour komplett in das Bachbett umgeleitet.

Heiliger Bimbam! Oh liebste Lisi, wie sehr beneide ich Dich jetzt um die herrlich leichte 200erter! Noch dazu kocht der Motor immer weiter, ich muss das Ding abstellen und die Kopf- bis Kinderwagen grossen Steine und Wurzeln mit Muskelkraft bezwingen, zum Glück gehts bergab. Bald werden die gelegentlichen Tropfen aus dem Helm zum kontinuierlichen Rinnsal: Wenn alle so schwitzen, ist Hochwasser zu befürchten.

Unten angekommen, endet das Bachbett in einer bösartigen Schlamm- Pfuhle, Marke Elefanten- Fango. Und dahinter zwei Stufen aus Fels und Wurzeln, darüber das "REITWAGEN" Wegweiser- Schild. Aha, da also soll ich rauf? Guter Witz! Eine Seilschaft müht sich grade mit einem Bock ab, der nur die Hälfte geschafft hat. Erinnere mich an den 520er Testbericht: "Genügend Dampf für das tiefste Schlammloch". Also Vollgas: ROARR, wie von der Sehne geschnellt durch Gatsch und über Stock und Stein hinauf, Albert flattert am Lenker festgekrallt hinterdrein und findet sich am Waldboden liegend (Lenkerende am Boden). Aber ich bin oben.

Kein Dampf mehr aus dem Kühler. Stimmt mich nachdenklich

Foto: www.haliklik.at

Coconut Airways- Witz: "Käpt'n aus dem rechten Motor leckt Öl"; "Na und? Solange was rauskommt, ist offensichtlich noch was drin, oder?" Daran muss ich denken, als das Zischen des Kühlers ausbleibt. Vielleicht letzte Chance, hier an diesem Rinnsal Wasser nachzufüllen: Zuerst wird der Motor und Kühler mit Spritzwasser von aussen abgekühlt: Die aufsteigenden Dampfschwaden hätten einem Atomkraftwerk- Kühlturm zur Ehre gereicht. Der Kühler innen: Knochentrocken! Ausgedampft! Mir schwant Übles! Kam da nicht vorhin Zweitakt- typischer blauer Dunst aus dem Auspuff? War ich damit knapp vor oder schon scharf NACH einem Motorschaden unterwegs?

Kein Gefäss da, für's Kühler- Auffüllen. Wozu gibts die hohle Hand? 1 -2-3-.....32-33, und immer noch nicht voll. Wirklich ausgedampft! Und bei jedem Schöpfvorgang flitzen ein- bis zwei Konkurrenten lustig an mir vorbei. GRFZK! Endlich voll, angeworfen, läuft, stecke nach 100 Meter aber wieder im Stau. Blöde Auffahrt, man muss in der Kurve -ohne Sicht auf den Hang- Schwung holen und findet sich vor einem Felsblock wieder, der mitten im Weg steht. Kenne die Stelle vom Vorjahr, viele leider nicht, und werfen sowohl Nerven als auch Bike weg. UR-PEINLICH für die Gescheiterten, wie mich meine Großpott- Power locker den Hang hinaufhämmert.

Abfahrt in die Badewanne, ein künstlich aufgeschüttetes, ca 20 Meter tiefes Auffangbecken. Hinunter ist's diesmal (verzeih, Karl) ein Klacks. Dafür gibts jetzt eine zusätzliche, ursteile Auffahrt, die reichlich vom Regen zerfurcht ist. Geht trotzdem gut rauf, offensichtlich ZU gut: Denn der Badewannenrand ist hier nur etwa drei Meter breit. Und wie ich oben ankomme, wird grade ein Bike auf der anderen Seite hochgezerrt: Der Typ ist offensichtlich ZU flott hochgeschossen und ÜBER den Zaun auf der anderen Seite reichlich tief ins (zum Glück weiche) Nichts gestürzt! Die alte Badewannen- Auffahrt auf der anderen Seite, wo ich voriges Jahr mit der 200erter fast verhungert bin: - kein Problem, dieses Jahr, kann die Kamelbuckel sogar etwas gemütlicher angehen, muss nicht so weit springen, werde zuverlässig von 55 PS raufgebaggert.

"Very Slippery", jetzt kann ich mit dem Großpott baden gehen

Dafür geht es jetzt in den Wald, die klassische Büßerstrecke für alle, die kein reinrassiges Trial- Bike dabei haben. Jetzt kann ich mit meinem Großpott baden gehen, denn Karl Katoch hat bei der Fahrerbesprechnung wie beiläufig -mit diabolischem Grinsen- erwähnt: "Wegen dem Regen vom Vortag: Very Slippery - Sauglatt". Spüre davon zum Glück nichts, verläßlich katapultiert mich die Power die Ziehwege hinauf.

Entdecke noch einen Vorteil des Großpotts: Erste eingelegt, kann ich die Kupplung bei abgestellten Motor als verkehrten Hinterrad- Bremshebel benutzen. Lerne die Profi- Wendetechnik in den Spitzkehren: Hang hinauffahren, gegeneinschlagen, zurückrollen, gegeneinschlagen, Hang hinauf, halbmeterweise, bis Drehung perfekt. Klappt super, war doch die Königsidee, die Zündbox unter den Tank zu verlegen und den Lenkeranschlag in den Müll zu werfen! Bin herum, bevor noch der zur Hilfe eilende Kollege da ist.

Schade eigentlich, denke ich mir, "brauche die Hilfe heute nicht". Wo doch die Kameradschaft und gegenseitige Hilfe schon legendär ist. Rührend zu

Foto: www.haliklik.at

sehen, wie sich harte Jungs gegenseitig helfen und Mut zusprechen, trösten, anfeuern, mitleiden und mit-resignieren: "Naa, da fahr I aa ned mehr auffe, bin ja ned lebensmüde! Geh fahr ma auf a Bier".  Großmut kommt vor dem Fall, denn dort, wo es im Vorjahr die peinliche Rutschpartie gab, geht im nassen Wurzelwerk gar nichts mehr: "Ich hab schon fünfzig heute abgeseilt, keine Angst", meldet ein Typ mit dem Haken in der Hand.

Sohnemann Martin, der mich inzwischen mit Fahrrad und Kamera verfolgt und eingeholt hat, stimmt ihm zu: "Papa komm, geh kein Risiko ein!" Während er das sagt, kommt einer, der es aus eigener Kraft versucht: Wie ich damals gerät er ins haltlose Rutschen und kracht mit fürchterlichen Scheppern auf die Betonmauer und dann mit Getöse auf die zwei Meter tiefere Waldstrasse, Marke: „Reif für die Schrottpresse“. Während das Echo des Aufpralls vom Gegenhang nachhallt, wächst die Erkenntnis: Dieses Jahr wird abgeseilt!

...und kracht mit fürchterlichen Scheppern über die Betonmauer

Wünsche mir das Seil auch bei der nächsten Steilabfahrt, die mit einem Meter senkrechter Betonmauer beginnt. Bin ratlos. Keine Hilfe zu sehen. Da kommt einer, lässt das Bike auf einen vorstehenden Holzbalken rutschen, dann Zentimeter für Zentimeter vorneüber in den Hang gleiten. Naja, warum nicht gleich. Bekomme noch Panik, denn im Auslauf sind Touristen unterwegs, fahre sie fast über den Haufen. Bin heiser, hinterher. Muß irgendetwas laut geschrien haben. "Gott segne Euch", oder so.

Martin hat sich wieder auf die Sitzbank hinter mich geschwungen und filmt während der Fahrt im Wald, es geht durch Schlammlöcher und über Baumstämme, kriegt aber Panik vor den Abfahrten. Endlich wieder Fels und Steilhänge: Wundere mich beim ersten Anblick: Was, DA bin ich voriges Jahr rauf? Steilhang, immer steiler werdend, und oben in einen Felsspalt einfädeln, um links an einem kapitalen Block vorbeizukommen? Na gut, dann Augen zu und hochgedampft- aha, die Mannen an den Seilen bleiben arbeitslos. Dann ohne Luftholen, fast ohne Anlauf weiter, eine gewundene Geröllhalde hinauf, fühle mich wie ein Sieger...aber nicht lange.

Foto: www.haliklik.at

Fahre den blauen Wegweisern nach, sehe einen Riesen- Stau: Martin kommt mir entgegen, berichtet aufgeregt von einem unüberwindlichen Hindernis. Sehe bald das ganze Malheur, typischer Fall von Schlüsselstelle: Etwa acht Meter Steilhang, SEHR steil, besonders zum Schluß, wo es über zwei leicht überstehende Felsen geht, gespickt mit einer lockeren Wurzel. Links Felswand, rechts Fichte, dazwischen gerade mal Lenkerbreite Platz. Leider noch nicht die ganze Katastrophe:

Der Anlauf ist durch eine Stufe zweigeteilt, nix da mit Schwung holen und „hinauffallen“: Neunzehn von zwanzig scheitern am mangelndem Schwung, Motorleistung oder Mut, daher der riesige Stau. Rechne mir aus: 30 Leute, mal zwei Minuten hochziehen oder runter-rutschen, macht eine Stunde, und es ist schon viertel vor drei. Und dann nützt es auch gar nichts mehr, selbst wenn ich mir gute Chancen gebe, mit 520-Power ohne Hilfe hinaufzukommen. Denn das Rennen geht von 12 bis exakt 16 Uhr, und von hier aus ist in 15 Minuten das Durchkommen ins Ziel (also Finishen) nicht mehr möglich.

Andrea fällt mir selig um den Hals, Tränen fliessen

Doch dann geschieht das Wunder! Oder wie soll man es sonst bezeichnen, wenn Träume trotz hoffnungsloser Situation wahr werden? Das ganze Jahr über hatte ich mir vorgestellt und in den schönsten Farben ausgemalt, wie ich den Hare Scramble finishe, den Zielhang aus eigener Kraft hochdonnere, die Zielflagge über mir geschwenkt wird, und mir ein bildhübsches Mädel ein RED BULL überreicht. Erfolgs- Visualisation nennt man das. Wenn man das richtig macht, heisst es, dass das Leben irgendwie Wege findet, um das Visualisierte wahr zu machen.

Doch eigentlich, in der jetzigen Situation unmöglich. Schon rein von der Zeit her. Aber der Himmel hat ein Einsehen, schickt einen grellen Blitz aus rasend schnell aufgezogenen Gewitterwolken, die Sirenen heulen: Abbruch, die Guides winken uns hinunter, Streckenverkürzung, ab ins Tal! Das lasse ich mir nichts zweimal sagen, sehe meine grosse Stunde kommen!

Foto: www.haliklik.at

Einige fetzige Drifts später biege ich in den Zielhang ein, vor mir Petra Lindner, die sensationell 41te wird, und durch die Streckenverkürzung auch schneller hierher gefunden hat. Regulär haben in den drei Stunden ja nur 27 gefinished. Petra wird die letzen Meter geholfen, ich warte mit eingelegter Zweiten und gezogener Kupplung. Da! Da sehe ich meinen Schatz Andrea neben den Zielbogen stehen und winken, daneben Aarto, unser Finnischer Kameramann.

Kann der geneigte Leser das tiefe Glück nachempfinden, als der (gemein kurze) Anlauf zum Zielhang perfekt gelingt, ich ohne Hilfe den Red Bull Zielbogen passiere, die Jacket Flag sich über mir hebt, und mir ein bildhübsches Mädel den wertvollsten Red Bull meines Lebens überreicht? Andrea fällt mir selig um den Hals, Tränen fliessen, Aarto ist auch ganz gerührt, schneuzt sich umständlich.

Dann Gewitter und Wolkenbruch, alles flitzt in Deckung. Und nach einer halben Stunde kommt Sohn Martin tropfnass zum Wohnmobil, noch dazu mit trockenen und heilen Kameras. Er ist der eigentliche Held des Tages, hat Unglaubliches geleistet.

Ich weiss schon, war kein echtes Finishen, ja sogar grob abgekürzt. Und Andrea hat vielleicht mehr vor Freude geheult, mich im Ganzen und gesund wiederzusehen, als vor Bewunderung. Aber in DEM MOMENT, einem wahrhaft MAGIC MOMENT, war und ist mir das sch..on egal.

Schliesslich weiss ich jetzt, dass das Fahrkönnen für das Finishen reicht.
Vorrausgesetzt, ich komme in die vordersten Startreihen.
Daher werden wir hart und intensiv trainieren,
EISENBERG, wir kommen wieder!
Werden Dich HERBRENNEN
und gnadenlos RICHTEN!
Dein Albert

PS.: Grüsse auch von Martin, Christian und Andrea

Text: Albert Pucher
Fotos: www.haliklik.at

Die Vollstrecker

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enduroabenteuer Ausgabe 4 - 2004
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